Radeln mit Rückenwind

Fahrradfahren mit E-Bike

Technik macht es möglich: Mit Anschubhilfen wird Radfahren auch für Rheumatiker wieder zum Erlebnis. Wenn man nur wüsste, welche die richtige ist! Natascha Schwenk,  Ausschuss Junger Rheumatiker, über ihre Anschuberfahrungen.

Es ist kein Spaß, nicht mehr so zu können, wie man gerne möchte. Radfahren ist eigentlich schön, man fühlt sich frei und beweglich. Nur wenn aufgrund der Einschränkungen und Schmerzen das Radfahren langsam zur Qual wird, dann sollte man etwas ändern.

Für mich kam es nicht infrage, das Radfahren aufzugeben und ich suchte schnell nach einer Alternative. Voilà: ein E-Bike sollte es sein. Ich hatte mehrere Beratungsgespräche und Testfahrten. Ja, da saß ich nun in Bergen von Prospekten und einem rauchenden Kopf. Was ist eine Anschubhilfe? Will ich ein Pedelec (Pedal Electric Cycle, auch E-Bike genannt) oder Speed–Pedelec? Und wo soll der Motor sitzen? Was ist das Besondere an so einem E-Bike und was muss ich beim Kauf alles beachten? Meine Erfahrungen habe ich als Pro-und-Kontra-Argumente gegenübergestellt (siehe nebenan) und mich für ein Pedelec entschieden.

Bei der eigenen Wahl sollte der richtige Akku besonders auf Herz und Nieren geprüft werden: Für mich sind Modelle mit moderner Lithium-Ionen-Technologie (Li-Ion) die erste Wahl. Diese Batterien lassen sich auch halbleer nachladen und verlieren nicht so schnell ihre Leistungskraft. Die Reichweite der Akkus ist variabel und hängt stark von der Nutzung der Schubkraft ab. Fahrten von 50 bis 100 Kilometer sind damit möglich.

Alleine radeln mit kleinem Schub oder mit voller Motorkraft

Und dann war es so weit: Ich holte mein E-Bike ab! Mein kleiner Luxus – endlich schmerzfreies Radeln. Aber bitte nicht falsch verstehen: So ein E-Bike fährt nicht von selbst! Es gibt mir trotzdem die Freiheit, wieder „ganz normal“ zu radeln, denn aufgrund meiner Einschränkungen war ich zum Beispiel nicht mehr in der Lage, den Berg zu mir nach Hause hochzufahren. Dazu kam noch das Gewicht des Kleinkindanhängers.

Ich kann nun endlich wieder radeln, alleine und vor allem ohne Angst, es nicht zu schaffen. An manchen Tagen brauche ich wenig Schub. An manchen Tagen die volle Kraft. Man kann mit einem E-Bike auch größere Touren machen. In Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien gibt es mittlerweile ein sehr gutes Netz von Akku-Wechseloder Lade-Stationen. Wenn das einmal nicht nutzbar ist, empfiehlt es sich, einen zusätzlichen Akku mitzunehmen oder sich ein Schnelllade gerät zuzulegen.

Die Verkaufszahlen von Pedelecs und E-Bikes steigen so rasant wie bei keinem anderen Verkehrsmittel. Der einzige Nachteil ist das Gewicht der Räder: 20 bis 30 Kilogramm bringen sie leicht auf die Waage und sind damit schlichtweg zu schwer, um sie mal eben schnell in den Keller zu tragen.
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Natascha Schwenk ist an juveniler idiopathischer Arthritis erkrankt.

 

Pedelec oder Speed–Pedelec?

Das Pedelec ...

... schafft bis zu 25 Stundenkilometer. Es darf auf Radwegen fahren und benötigt kein Versicherungskennzeichen. Es besteht keine Helmpflicht (wird aber dringend empfohlen). Denn wer schwere Verletzungen erleidet, die ein Helm nachweislich hätte verhindern können, riskiert eine Minderung seiner Schadenersatzansprüche. Das Pedelec benötigt keinen (Mofa-)Führerschein und gilt rechtlich als Fahrrad.

Das Speed–Pedelec ...

... schafft bis zu 45 Stundenkilometer und darf nicht auf Radwegen fahren. Man benötigt ein Versicherungskenn zeichen, auch eine Helmpflicht besteht. Dabei reicht ein Fahrradhelm nicht aus, was Speed-Pedelec-Fahrer vor Probleme stellt. Motorradhelme eignen sich aufgrund der Belüftung nicht. Um das Speed-Pedelec zu fahren, benötigt man einen (Mofa-)Führerschein, weil es rechtlich nicht als Fahrrad gilt.

+ + Tipp + + Tipp + +

Mit der eigenen Versicherung sollte man klären, ob das E-Bike mitversichert ist (aufgrund der hohen Kosten, denn gute E-Bikes kosten ab 1.500 Euro). Da nicht alle privaten Haftpflichtversicherungen für verursachte Schäden haften, kann ein fehlender Versicherungsschutz verheerende finanzielle Folgen haben.