Kanufahren - Schwerelos durchs Wasser gleiten

Kanufahren

Es ist, als würde man in eine andere Welt eintauchen: Beim Kanufahren genießt Angelika Schiemionek mit ihrem Mann gemeinsam die Bewegung in freier Natur – trotz Arthrose und Fibromyalgie. 

Sportlich waren Angelika Schiemionek (52 Jahre) und ihr Mann Andreas schon immer. Früher fuhren sie mit dem Rennrad von Jugendherberge zu Jugendherberge oder wanderten durch die Berge. Heute lassen sie es etwas „ruhiger“ angehen: In den Sommermonaten fahren sie gerne Kanu.

Sport für die ganze Familie

Ihre gemeinsame Leidenschaft für das schwerelose Gleiten übers Wasser be gann vor 19 Jahren. Damals verbrachten Angelika Schiemionek und ihr Mann ihren Urlaub gemeinsam mit Freunden in Schweden. „Das erste Mal fuhren wir mit einem Zweisitzer, einem Gummikanu in Schweden während eines Campingurlaubs“, erinnert die heute 52-Jährige sich. Der damals zweijährige Sohn Jonathan war mit von der Partie. „Er saß auf meinem Schoß“, erinnert sich Angelika Schiemionek. Seitdem hat das Kanufahren die Familie nicht mehr losgelassen – und das nicht nur im Urlaub.

Bis heute wandern die Schiemioneks viel und fahren im Winter Ski – die hoch alpinen Berge und steilen Pisten haben sie jedoch gegen moderatere Touren und überwiegend Langlauftouren getauscht. Denn neben der Fibromyalgie, die die gelernte Chemielaborantin seit acht Jahren begleitet, schränken Arthrose und noch einige andere gesundheitliche Probleme ihre Bewegungsfreude ein. „Ich bin trotzdem optimistisch und gucke immer nach vorn“, berichtet Angelika Schiemionek „Ich mach die Sachen, die ich gut kann, die mir Spaß machen, wo ich stark bin.“ Als sie noch in der Nähe von Berlin wohnten, liehen sie sich mit Freunden gemeinsam ein Boot und erkundeten die Brandenburger Seen auf diese Weise. Weil ihnen dies so viel Spaß machte, haben sich die Schiemioneks vor sieben Jahren ein eigenes Boot gekauft, einen Viersitzer. Dieses Boot war recht schwer, bot jedoch reichlich Platz, um auch ein Zelt und Gepäck mitnehmen zu können und war somit ideal für eine Fahrt zu dritt.

Touren zu zweit

Kanufahren, ein Sport in der freien Natur auch bei Rheuma

Seit fünf Jahren wohnt das Ehepaar Schiemionek in Windeck-Rosbach an der Sieg. Direkt hinter ihrem Haus haben sie einen extrahohen überdachten Stellplatz gebaut, damit das Auto, auch mit Boot auf dem Dach, darunterpasst. Wenn es das Wetter zulässt, packt das Paar das Kanu auf das Autodach und fährt los. Seit zwei Jahren haben sie ein kleineres Boot, da sie häufiger zu zweit fahren und sich der Dreisitzer, der gerade mal 28 Kilo wiegt, einfacher handhaben lässt. Zu zweit kann man es gut auf das Auto befördern. Lange Strecken tragen möchte es Angelika Schiemionek aber auch nicht mehr. „Deshalb haben wir uns einen Bootswagen gekauft, den möchte ich nicht mehr missen.“ Er ist zusammenklappbar und kann daher platzsparend im Auto und auf dem Boot verstaut werden. So kann das Kanu ohne viel Kraftaufwand vom Parkplatz zum Gewässer gezogen werden. Der Bootswagen erweist sich auch dann als hilfreich, wenn das Boot „umgesetzt“ werden muss, etwa, wenn die Schiemioneks ihre Tour unter - brechen müssen, weil ein Wehr, ein Wasserfall oder eine nicht passierbare Stelle im Fluss vorausliegen. Dann holen sie das Boot aus dem Wasser und müssen es an Land ein Stück flussabwärts transportieren. „Wenn die Wege länger sind, erleichtert ein Kanuwagen diese Aktion“, erläutert Angelika Schiemionek.

Wer im Kanu sitzt, der ist der Natur ganz nah. Die Landschaft gleitet an einem vorbei – im Siegtal besonders vielfältig, denn im Sommer kann man dort auch Eisvögel und Kormorane beobachten. Der Stress des Alltags ist ganz schnell vergessen. Was fasziniert Angelika Schiemionek am meisten beim Kanufahren? „Es ist eine Sportart, die mein Mann und ich auf Augenhöhe betreiben können.“ Bergwandern oder Rennradfahren wie früher können sie nicht mehr zusammen. Gemeinsam Kanufahren ist jedoch auch mit einer Kniegelenkarthrose, Rückenbeschwerden und Fibromyalgiesyndrom möglich. Dabei sind die „Rollen an Bord“ ganz klar verteilt: Andreas Schiemionek sitzt hinten im Kanu und lenkt, seine Frau sitzt vorne und paddelt mit. Wenn sie nicht mehr kann, pausiert sie und ihr Mann paddelt alleine weiter. Wird es trotzdem mal zu anstrengend, machen sie einfach am Ufer eine Pause. Das gemeinsame Kanufahren verbindet die beiden. „Wir müssen uns vertrauen und uns aufeinander verlassen können. Wir müssen als Team harmonieren, um  nser Boot auch in schwierigen Situationen bei Wind, Wellen und Strömung zu beherrschen.“ Nach all den Jahren sind die Schiemioneks ein eingespieltes Team. „Schwerelos durchs Wasser gleiten“, dieses Gefühl, das sich beim Kanufahren einstellt, ist für beide beeindruckend. Dabei kann vor allem Angelika Schiemionek ihre körperlichen Grenzen und Beschwerden für einen Moment vergessen.

 

Weiter: Die Technik macht's