"Hast du dich heute schon bewegt?"

Skilanglauf am Reutberg, Foto Prof. Ernst Feldtkeller, DVMB

Aktiv gegen Rheumaschmerz - auch und gerade in der kälteren Jahreszeit. So ist zum Beispiel Ski-Langlauf der Höhepunkt des Jahres im selbstverordneten Bewegungsprogramm des Bechterew-Betroffenen Hermann Neus. Der Erfolg gibt ihm Recht: Bis zu drei Monate danach ist der Bonner fast schmerzfrei und kann beim Gehen auf einen Stock verzichten.

Zu unserer Verabredung kommt Hermann Neus sieben Kilometer zu Fu√ü, anderthalb Stunden war er daf√ľr heute bereits unterwegs. Kein ungew√∂hnliches Tagespensum, wie ich schnell erfahre. Zwei bis dreimal pro Woche l√§uft er zu Univorlesungen, hin und zur√ľck sind das mehr als zehn Kilometer. Die Lieblingsf√§cher des ehemaligen Ingenieurs und Managers eines Weltunternehmens sind Astro- und Quantenphysik sowie Evolutionsbiologie. ‚ÄěTolles Bildungsprogramm‚Äú, schw√§rmt der seit √ľber zehn Jahren pensionierte Bonner, ‚Äěman trifft immer junge Leute und nicht selten auch alte Kollegen.‚Äú T√§glich ausgedehnte Bewegung von K√∂rper und Geist wurde nach der Berufskarriere elementarer Alltagsbestandteil: ‚ÄěDer Kopf wei√ü, was mir gut tut und ich sorge daf√ľr, dass es auch funktioniert.‚Äú

Sein pers√∂nlich zugeschnittenes Bewegungsprogramm setzt er dem andauernden Schmerz und der Bewegungseinschr√§nkung entgegen. Schon √ľber 55 Jahre ist er an Morbus Bechterew erkrankt. Das Kreuzbein hatten die √Ąrzte bereits 1971 verkn√∂chert vorgefunden. Zum Rentenbeginn 2002 war die Wirbels√§ule durch Spangenbildung √ľber mehrere Wirbelk√∂rper und durch verklebte Rippenb√∂gen versteift. Sein Atemvolumen hatte sich auf etwa zweieinhalb Liter vermindert.

Immer aktiv bleiben

Schweren Herzens musste er damals wegen der krankheitsbedingten Fehlstellung des Beckens, der H√ľfte und des rechten Knies auf Trampolin, Laufb√§nder und Jogging verzichten. Wegen der steifen Wirbels√§ule konnte er auch nicht mehr Fahrradfahren ‚Äď obwohl dieser Ausdauersport die Knie entlastet. Auf ausdauernde Bewegung verzichtete er jedoch nie. Hatte er bereits im Berufsalltag feste Zeiten immer mit ein - geplant, absolviert er heute einen beeindruckend umfangreichen Trainingsplan: T√§gliche Atemgymnastik, zweimal w√∂chentlich PNF-Krankengymnastik (eine Form der Physiotherapie, die auf dem Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln aufbaut), die Bechterew-Selbsthilfegruppe donnerstags mit einer Stunde Trockengymnastik sowie geplante √úbungen im eigenen Gymnastikraum. Drei- bis f√ľnfmal in der Woche treibt er auch noch bis zu einer Stunde R√ľcken - schwimmen, zus√§tzlich Wassergymnastik, Aquajogging und zwei Saunag√§nge. Was w√ľrde passieren, wenn er auf dieses Pensum verzichten m√ľsste, frage ich ihn. ‚ÄěIn einem Jahr m√ľsste ich im Rollstuhl sitzen‚Äú, antwortet Hermann Neus, ‚Äěfehlt mir Bewegung, sp√ľre ich das wegen meiner Steifheit sofort.‚Äú F√ľr Neus hat das umfangreiche Training ein j√§hrliches Ziel. Es ist Vorbereitung f√ľr einen besonders wichtigen Mosaikstein seiner pers√∂nlichen ‚ÄěBewegungstherapie‚Äú, den Ski-Langlauf: ‚ÄěDer Langlauf ist besonders entlastend, elegant und dabei intensiv.‚Äú Seine Langlauf-Leidenschaft begann 1978 w√§hrend einer BfA-Kur, die er dann fast j√§hrlich wiederholte, bis er in Rente ging und die BfA nicht mehr zahlte.

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