Pl√§doyer f√ľr die Trockengymnastik

Trockengymnastik ist eine bewährte Bewegungstherapie gegen Rheumaschmerzen, Foto Thomas Diller

Bewegungs√ľbungen im warmen Wasser mobilisieren die Gelenke und kr√§ftigen die Muskulatur. Doch viele Rheumatiker profitieren auch vom Funktionstraining im Gymnastikraum. Eine Therapeutin w√§gt Vor- und Nachteile ab.

Wir benutzen in der Wassertherapie abwechselnd verschiedene Auftriebsmittel, wie beispielsweise Schwimmbretter, Schwimmweste, St√§be, Hanteln, B√§lle und √Ąhnliches. Vom Beckenrand aus mache ich als Therapeutin die √úbungen vor. Das etwa 32 Grad warme Wasser w√§rmt, lockert und entspannt die Muskulatur. Der Auftrieb entlastet die Gelenke. Mithilfe der Auftriebsmittel und des Wasserwiderstands kann die Muskulatur sehr gut gekr√§ftigt werden. Dehnungs√ľbungen sind sehr effektiv.

In der Trockengymnastik arbeiten wir in unterschiedlichen Ausgangsstellungen, wie Hocker, Matte, Pezziball, und haben au√üerdem verschiedene Kleinger√§te zur Verf√ľgung. Wir lockern, kr√§ftigen, dehnen und entspannen die Muskulatur. Ein wichtiger Punkt ist die Gelenkmobilisation: Das Gelenk und der Muskel werden korrekt, harmonisch und langsam bewegt. So kann der Patient ein m√∂gliches Bewegungsdefizit genau ersp√ľren und/oder eine Ausweichbewegung wahrnehmen. Genau an seinem ‚ÄěBewegungsstopp‚Äú lernt er mithilfe von √úbungen seine fehlende Gelenkbeweglichkeit zu verbessern. Ein Hauptziel ist die m√∂glichst korrekte Ausf√ľhrung der gew√ľnschten Bewegung.

Gleiche Zielsetzungen

Die Ziele der Wasser- und Trockengymnastik sind also identisch: die F√∂rderung der Beweglichkeit, die Kr√§ftigung der Muskulatur sowie die Schmerzlinderung. In der Wassertherapie sorgen die W√§rme und der Auftrieb des Wassers und auch die Auftriebsmittel f√ľr ein absolutes Wohlbefinden. Die Muskulatur kann gut entspannt, gekr√§ftigt und gedehnt werden. Es findet auch eine allgemeine Mobilisation der Gelenke statt. √úbungen, die ich im Wasser lerne, kann ich an Warmbadetagen in √∂ffentlichen Schwimm - b√§dern aus√ľben.

Als Therapeutin stehe ich am Beckenrand und versuche, die Teilnehmer bei der Ausf√ľhrung ihrer √úbungen so gut es geht zu beobachten und, wenn n√∂tig, ihre Bewegungen zu korrigieren. Etwaige Ausweichbewegungen kann ich jedoch nicht gut sehen und nur eine verbale Anleitung zur Korrektur geben. Eine exakte Ausf√ľhrung der Bewegung kann ich nicht gew√§hrleisten, da der Auftrieb des Wassers zu Ungenauigkeiten f√ľhrt. In jedem Fall aber sollte der Patient um eine korrekte Bewegung bem√ľht sein.

Exakteres Training

Bei der Trockengymnastik haben wir diesbez√ľglich eine v√∂llig andere Situation: Jeden Teilnehmer habe ich genau im Blick: seine Haltung, sein Bewegungsverhalten, seine Ausweichbewegungen ‚Äď und im entscheidenden Moment kann ich auch Hand anlegen, um ihm Hilfestellung f√ľr eine exakte und kontrollierte Ausf√ľhrung der Bewegung zu geben. Der Patient lernt in der Trockengymnastik sehr genau, das eigene Bewegungsdefizit zu ersp√ľren und die Gelenke in optimalen Ausgangsstellungen sanft zu mobilisieren, seine Muskeln zu kr√§ftigen und zu dehnen. Als Therapeutin kann ich individueller auf ihn eingehen, indem ich die Ausgangsstellung und die √úbung auf seine pers√∂n liche Situation anpasse.

Auf diese Weise lerne ich das Bewegungsvermögen jedes Teilnehmers sehr gut kennen. Auch der Patient selbst lernt sich in der Trockengymnastik gut einzuschätzen. Zudem erkennt er, welche der Übungen er zusätzlich zu Hause machen sollte.

Plus f√ľr den R√ľcken

Ein ganz gro√ües Thema der Trockengymnastik ist das Erlernen der korrekten Haltung und ein r√ľckenfreundliches Bewegen im Alltag, das der Patient sofort ausf√ľhren kann, sobald er den Therapieraum verl√§sst, sowie die Sturzpr√§vention. Diese beiden Themen k√∂nnen im Wasser nicht behandelt werden. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass die Trockengymnastik in Bezug auf ein korrektes Bewegungsverhalten der Gelenke und deren Mobilisation effektiver ist als die Wassergymnastik. ‚ÄěAn Land‚Äú k√∂nnen wir die Muskulatur auch sehr gut kr√§ftigen und dehnen. Viele der erlernten √úbungen k√∂nnen eins zu eins zu Hause ausgef√ľhrt werden.

Von der Trockengymnastik k√∂nnen Sie also immer profitieren. Sie ist immer sinnvoll, au√üer Sie leiden unter sehr starken Bewegungseinschr√§nkungen. Dann sind Sie im Wasser besser aufgehoben. Es sind oft auch die sehr betagten Patienten (um die 80 Jahre alt) die nur an der Wassergymnastik teilnehmen. Allerdings berichten manche Arbeitsgruppen auch von Hochbetagten, die das Umziehen scheuen und daher lieber an der Trockengymnastik teilnehmen. 

Zur Autorin

Die Physiotherapeutin Eva Behrens hat selbst seit 13 Jahren rheumatoide Arthritis. Seit f√ľnf Jahren leitet sie f√ľr die Rheuma-Liga in der Arbeitsgemeinschaft Ichen hausen-Krumbach sowohl Trockengymnastik als auch Funktionstraining im Wasser. An beidem nimmt sie selbst auch regelm√§√üig teil.