Yoga - Entspannt in Balance

Yoga-Stunde, die Leiterin macht die richtige Haltung vor

Endlich Freitag! Nicht nur die Aussicht auf das Wochenende, sondern auch die bevorstehenden 90 Minuten heben die Stimmung der neun Teilnehmerinnen. „Gerade in der FrĂŒh geht es mir oft nicht gut und es braucht Zeit, bis ich mich bewegen kann. Dann raffe ich mich auf, gehe in die Gruppe und bin im Nachhinein so froh darĂŒber“, berichtet Edith Hoffmeyer.

Von den FĂŒĂŸen bis zu den HĂ€nden sind Weichteilschmerzen ihr stĂ€ndiger Begleiter. Erst zehn Jahre nach Auftreten der Beschwerden stellte ein Neurologe die Diagnose Fibromyalgie – wie viele Betroffene hat Edith Hoffmeyer eine Ärzte- und Therapieodyssee hinter sich. „Einerseits brauche ich Bewegung, wenn ich aber zu viel mache, werden die Schmerzen stĂ€rker“, erklĂ€rt sie ihr Dilemma. „Es ist schwer, die Grenze zu erkennen und ich ĂŒberschreite sie immer wieder.“ Eine gute Balance findet sie seit vier Jahren in der ganzheitlichen Gruppentherapie, die nun beginnt. Yoga-Lehrerin und Ergotherapeutin Barbara Bauer beginnt jede Kursstunde mit vorbereitenden AtemĂŒbungen und sanften Gelenkmobilisationen. Dabei achtet sie besonders darauf, dass alle tief und entspannt atmen und bei allen Übungen achtsam mit sich und ihren Gelenken umgehen. Es folgen WahrnehmungsĂŒbungen zum ErspĂŒren und zur KrĂ€ftigung der Beckenbodenmuskulatur. Übungen zum Dehnen und KrĂ€ftigen der gesamten rumpfstabilisierenden Muskulatur ergĂ€nzen den aktiven Teil der Kursstunde.

Angepasste Übungen

„Meine Körperhaltung hat sich verbessert, seit ich Yoga ĂŒbe. Überhaupt kann ich die Übungen immer besser und werde inzwischen weniger korrigiert“, freut sich Edith Hoffmeyer. Neben Barbara Bauer unterstĂŒtzt und korrigiert eine zweite Ergotherapeutin mit der Zusatzausbildung „manuelle Therapie bei rheumatischen Erkrankungen“ die BewegungsablĂ€ufe. Anders als beim „klassischen“ Yoga fĂŒhren die Teilnehmerinnen die meisten Übungen auf dem Stuhl aus. Barbara Bauer achtet darauf, die traditionellen indischen Haltungen individuell fĂŒr die Kursteilnehmer anzupassen, und setzt auch Hilfsmittel wie Sitzkissen und TherapiebĂ€lle ein. Neben Yoga-Übungen fĂŒr RĂŒcken, Gelenke und Beckenboden lĂ€sst sie auch Elemente aus der progressiven Muskelentspannung, autogenes Training, Qigong, KrĂ€ftigungsĂŒbungen aus der RĂŒckenschule sowie Meditation und AchtsamkeitsĂŒbungen einfließen. Ist das denn noch Yoga, was dieGruppe da ĂŒbt? „Aber ja“, betont Frau Bauer. „Kannst du atmen, kannst du Yoga machen“, zitiert sie einen indischen Yogi.

In der Yoga-Stunde fĂŒr schwer betroffene Rheumatiker findet kein „anderes“ Yoga statt – die Teilnehmerinnen lernen genauso die Grundessenz des Yogas wie in anderen Yoga-Stunden auch: Atmen, bei sich selbst im Hier und Jetzt ankommen und achtsam mit seinem Körper umgehen. „Ich ermutige wĂ€hrend der Übungen dazu, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und anzuerkennen. Der individuelle Atemfluss ist fĂŒr jede Übung maßgeblich und auch Pausen sind möglich“, ergĂ€nzt die engagierte Yoga-Lehrerin.

 

Weiter: undefinedKein Zwang zur Perfektion

 

 

 Fotos: Benjamin Schultheis/Bildschön