Im Zumba-Fieber

Zumba -  zu Wasser und Land ein super Konditionstraining, Quelle: fotolia

Zuerst im Wasser, dann an Land: Eine junge Rheumatikerin hat sich von dem neuen Fitness-Trend aus den USA infizieren lassen. Sie erzählt, wie Zumba ihr half, aus ihrem Loch als Sportmuffel herauszukommen.


Es gab eine Zeit, da ging es mir richtig schlecht mit meiner Kollagenose. Sport zu treiben war für mich unvorstellbar, jedoch wusste ich, wie wichtig Bewegung für mich ist. In der Rheumaklinik durfte ich das erste Mal bei der Wassergymnastik reinschnuppern. Das machte mir richtig Spaß und ich konnte mich auch ohne große Schmerzen bewegen. Daraufhin meldete ich mich bei der Rheuma-Liga zum Funktionstraining an und ging von da an ein Jahr lang jede Woche zur Wassergymnastik. Ich merkte richtig, wie gut mir das warme Wasser tat.

Einige Zeit später schwappte der neue „Zumba“-Trend aus den USA nach Deutschland herüber. Dieses Tanz-Fitness-Programm ist von lateinamerikanischen Tänzen inspiriert und enthält sowohl Tanz- als auch Aerobic-Elemente. Kennzeichnend sind die fetzigen lateinamerikanischen Rhythmen, zu denen getanzt wird.

Aller Anfang ist nass

Zu diesem Zeitpunkt hätte ich nie geglaubt, dass ich jemals eine Zumba-Stunde an Land durchhalten würde. Doch zunächst bin ich durch Zufall auf Aqua- Zumba gestoßen. Ich wusste nicht, worauf ich mich einlasse, und bin einfach hin zur Probestunde. Im hüfthohen Wasser ging es dann zu heißer lateinamerikanischer Musik los. Hüften schwingen, kreisen, nach links tanzen, nach rechts tanzen und dabei koordinierte Bewegungen mit den Armen machen. Klingt erst einmal nicht so schwer, aber bis man die Choreografie verinnerlicht hat, dauert es etwas. Am Anfang bin ich immer in die falsche Richtung getanzt, aber den Mittänzern ging es ja nicht anders. Immer war der falsche Arm oben und das falsche Bein vorne oder hinten, aber das macht nichts. Es geht dabei ums Spaßhaben und nicht um die perfekte Choreografie beziehungsweise Koordination!

Beim Zumba wird auch gesungen, gejubelt und geschwitzt. Dank des Wassers fühlte ich mich sehr beweglich und hatte keine Schmerzen. Während der Stunde merkte ich gar nicht, wie sehr ich schwitzte, aber hinterher glüht man richtig nach, auch noch eine Stunde später. Angeblich verbrennt man dabei auch weiter Kalorien, meist hatte ich danach auch keinen Appetit mehr. Ganz nebenbei soll Aqua-Zumba auch super gegen Cellulite sein. An dieser Stelle ein kleiner Tipp für Mädels, die sich für Aqua-Zumba interessieren: Es ist vorteilhaft, dabei einen Bikini oder Badeanzug mit stabilen Körbchen zu tragen, denn es wackelt wirklich alles!

Wie eine Tempeltänzerin

Irgendwann traute ich mich an das Experiment Zumba an Land. In meiner Tanzschule nahm ich einfach bei einer Zumba-Schnupperstunde teil. Dabei wird genauso viel gesungen, getanzt, gehüpft und gelacht. Hauptsache dabei sein, mitmachen und Spaß haben. Manchmal sind auch unanständige Bewegungen beim Hüftenschwingen dabei. Teilweise möchte ich mich gar nicht im Spiegel dabei betrachten, wenn ich versuche, mich an die „Pseudo-indische-Tempeltanz-Choreografie“ anzunähern.
Man glaubt es kaum, aber egal ob Hip-Hop, Dirty Dancing oder Elvis, man kann auf jeden Song Zumba tanzen. Auf jeden Fall wird immer viel gelacht und darauf geachtet, zwischen den einzelnen Songs viel zu trinken. Dank meiner kleinen „Aqua- Zumba-Vorkenntnisse“ fiel mir die Koordination der Bewegungen viel leichter. So hatte ich von Beginn an richtig Spaß dabei. Zur Schmerz-Prophylaxe hatte ich jedoch eine Paracetamol-Tablette eingenommen. Seitdem bin ich im Zumba-Fieber. Dank eines Vertrags mit einer sogenannten Flatrate kann ich selbst entscheiden, wie oft ich die Woche zum Training gehe und ob ich 45, 60 oder gar 100 Minuten mittanzen will. Mittlerweile habe ich wieder richtig Kondition aufgebaut und bin auch wieder beweglicher geworden: Sogar beim Spagat komme ich runter!

Mehr Spaß, weniger Schmerzen

Manchmal komme ich mit Rückenschmerzen zum Tanzen und gehe dank der kreisenden Bewegungen meiner Hüften ohne wieder nach Hause. Bei der Choreografie ist mein Kopf so damit beschäftigt, das richtige Bein nach vorne und dabei den anderen Arm zur Seite zu bewegen, dass ich den Alltag völlig vergessen kann und hinterher sehr entspannt bin. Für Zumba braucht man keine großen Anschaffungen, außer Sportschuhe und (vielleicht bunte) Trainingssachen. Bei Rückenbeschwerden kann das Hüpfen jedoch Probleme bereiten, deshalb sind Schuhe mit Dämpfung sicher sinnvoll. Das gilt auch für Knieprobleme. Immer mehr Tanzschulen, Fitness-Studios und Sportvereine bieten Zumba-Kurse an. Die Kosten dabei sind recht unterschiedlich. Für mich hat sich die Flatrate als ideale Lösung erwiesen. Es gibt ja leider auch schlechte Tage, an denen Sport einfach nicht geht, dann weiche ich einfach auf den nächsten Tag aus. Für ganz Ambitionierte gibt es auch Zumba mit Hanteln beziehungsweise Gewichten an den Gelenken, aber das will ich mir und meinem Körper nicht zumuten. Mir reicht Zumba völlig aus und ich bin einfach sehr glücklich damit, mich wieder bewegen zu können und eine ganz gute Kondition aufgebaut zu haben.

Nina G., 33, ist seit neun Jahren an einer undifferenzierten Kollagenose erkrankt. Seit sechs Jahren ist sie Ansprechpartnerin für Junge Rheumatiker bei der Rheuma-Liga.

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